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Hungern für Medaillen

Ein Kilo mehr Gewicht kann einen Skispringer zwei Meter Weite kosten. Der Zeiger der Waage scheint also für den sportlichen Erfolg im Skispringen genauso wichtig zu sein, wie Muskelkraft, Fitness, Skiausrüstung oder Windverhältnisse.
Aber auch viele andere Sportler hungern oft schon als Jugendliche für einen Platz auf dem Treppchen – nicht nur im Leistungssport, sondern überall, wo es um Einzel-Wettkampf oder Gewichtsklassen geht. Was genau dahinter steckt und welche Folgen „Gewichtsdoping“ haben kann, verraten wir Dir hier…

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Sportarten mit der „Lizenz zum Hungern“…

…kaum zu glauben, aber von diesen Sportarten gibt es echt viele! „Meine Trainerin hat mir öfters gesagt, dass ich abnehmen soll, wenn ich Erfolg haben will“, erzählt z. B. die ehemalige deutsche Eiskunstlaufmeisterin Eva-Maria Fitze*. Eiskunstlaufen oder auch Turnen, Rhythmische Sportgymnastik, Ballett, Tanzen und Synchronschwimmen zählen zu den so genannten „ästhetischen Sportarten“. Der Druck dünn zu sein, ist hier besonders groß, weil häufig nicht nur ein möglichst beweglicher Körper, sondern auch eine besonders schlanke und zierliche Figur bei Trainern und Schiedsrichtern punktet.

Bei Sportarten mit Gewichtsklassen wie Boxen, Rudern, Karate oder Judo muss sogar ein bestimmtes Gewichtslimit eingehalten werden. Viele Sportler nehmen zusätzlich ab, um in eine niedrigere Gewichtsklasse zu rutschen, in der schwächere Gegner erwartet werden.
Schwimmer, Radrennfahrer, Leichtathleten und andere Ausdauersportler sind gewichtsmäßig auch oft auf der „Überholspur“, weil sie glauben, dann höher, weiter und schneller ans Ziel zu kommen.

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Dünn = topfit & sportlich ganz oben?

Ständiges Diätenhalten für Top-Platzierungen – das nennen Experten auch Sportmagersucht. Die gehört zwar offiziell nicht zu den seelisch bedingten Essstörungen, manche Sportler rutschen aber früher oder später durch den starken Leistungs- und Schlankheitsdruck in eine Magersucht oder Ess-Brech-Sucht ab. Bei der geht dann die Kontrolle über das Essen völlig verloren.
Aber auch wenn keine Essstörung besteht, führt das Hungern auf die Dauer zu einem körperlichen Leistungsabfall, der den Sprung aufs Treppchen ganz plötzlich immer schwerer macht: Durch die mangelnde Aufnahme von wichtigen Nährstoffen, wie Vitamine, Spurenelemente oder Proteine, fehlt dem Körper Energie. Außerdem bilden sich die Muskeln zurück und die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab. Bei Jugendlichen kommt noch dazu, dass sich das Wachstum und die Entwicklung verzögern können.

Viele „Fliegengewichte“ bleiben also nicht ewig happy und fit auf dem sportlichen Höhenflug, sondern landen irgendwann gefrustet und geschwächt auf dem harten Turnhallenboden …

*DER SPIEGEL 11/2000

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Ein Feind schadet, verletzt, zerstört. Doch schlimmer ist ein falscher Freund – meiner war der Zwang zu hungern.

Lest hier den preisgekrönten Artikel von Corinna Huber....